Mittwoch, 10. Februar 2016

Mönch droht Juden mit “griechischem“ Hitler

Zum wiederholten male hetzt ein christlich orthodoxer Mönch, diesmal der Mönch Methodios, in Griechenland gegen die Juden und beschwört in seiner öffentlichen Rede die lebenslange Unterwerfung unter dem Diktat der Juden (“sie werden uns lebenslang zu Dienern der Juden machen“). Natürlich sind solche Reden keine religiösen Innovationen, sondern gehören zum festen Inventar der Orthodoxie. So prophezeite der “selige“ Mönch Iosif von Vatopedi seinen Schäfchen den Einfall der Türken in Griechenland auf Druck der Juden, die bereits am Vorabend der Finanzkrise, wie auch die Freimaurer, die “Messer gewetzt“ hätten. Der nun heiliggesprochene Wundermönch Paisios, in Griechenland hoch verehrt, versuchte sich Zeit seines Lebens als Medium und prophezeite zur großen Freude der Nationalisten, Schwert und Schild der Orthodoxen Kirche, einen zukünftigen griechisch-türkischen Krieg voraus, aus dem Griechenland als Sieger hervorgehen und Istanbul zurückerhalten würde. Der gleiche Mönch behauptete, dass Kinder, die in Athen verschwunden sind, von den Juden entführt und mit Spießen durchbohren wurden, die dann auch noch das Blut der Kinder getrunken haben sollen. Ein weiterer Athos-Mönch sah sich angesichts der Besserstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen durch das Parlament genötigt, seine christliche Nächstenliebe in Form des folgenden Satzes über das Land zu ergießen: “Jede Frau, die eine Schwuchtel tötet, wird ins Paradies kommen.“ Solche Töne sind fast schon Alltag und der orthodoxe Parallelstaat erregt mit damit keine allzu große gesellschaftliche Empörung. Das Neue an der Rede des Methodios ist seine unverhohlene Drohung der Juden mit einem “griechischen Hitler“. Die Juden sollen dieses Mal Acht geben, ruft Seine Heiligkeit am 07.02.16 seinem Publikum zu, denn es könnte ein griechischer Hitler an die Macht kommen; sie sollen bloß aufpassen, “denn wir haben ihr Geld nicht nötig, wir haben ihr Geld nicht nötig; Griechenland hat genug zum Leben“. Die Reaktion der Menge war kein Protest und auch keine Empörung. Nein, sie blieben weiterhin dem Mönch zugewandt und empfingen seine Worte mit Applaus. 

Es ist offensichtlich, dass mit der Krise die eine Maske nach der anderen fällt und den herrschenden und unverfrorenen Byzantinismus offenbart, der die eigene zweitausendjährige Verbrechensgeschichte vergisst und Schuldige für die Folgen seiner eigenen Missetaten sucht. Und die findet er in den traditionellen Feindbildern der neugriechischen Gesellschaft: bei den Sozialisten, den Liberalen, den Homosexuellen und an erster Stelle bei den verhassten Juden. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise erlebt Griechenland eine explosionsartige Konjunktur von Verschwörungstheorien, die Herausbildung eines orthodoxen Positiven Christentums und eines soziopolitischen Klimas, das mehr und mehr an einen stickigen heißen Nachmittag kurz vor dem großen Sturm erinnert. Ob es am Ende zu einem Ausbruch kommt, hängt in großem Maße vom Krisenmanagement der jeweiligen Regierung ab. Die Allianz hoher kirchlicher Kreise mit den Nazis war die Grundlage auf der das Militärregime (1967-1974) baute. Der Einzug der Faschisten ins Parlament, das Erstarken der Neo-Orthodoxie mit ihrer Vision eines restaurierten Byzantinischen Reiches und die Revitalisierung der alten Bande lassen jedenfalls vermuten, dass ein solcher Sturm verheerende Folgen für das soziale Gefüge im Land haben würde, der entscheidende Schlag, der das Land vollends in die Schlucht stoßen wird.