Freitag, 29. Januar 2016

Parlamentarismus oder Demokratie?

Parlamentarismus oder Demokratie?
von Stilian Ariston, 19. Gamelion 2792 / 29. Januar 2.015
In den Medien ist zur Zeit viel von "Demokratie" die Rede. Scheinbar haben die Herren und Damen Journalisten immer noch nicht den Unterschied zwischen Demokratie und Parlamentarismus bemerkt. Kurz gesagt, besteht dieser darin, dass der Mensch in einer Demokratie zuallererst Bürger ist, will heißen: ein mündiges Subjekt, während er im Parlamentarismus Untertan ist und zum Wahlvieh gehört. Der erste Mensch stellt das Kollektiv vor dem Individuum, der zweite Mensch beschäftigt sich an erster Stelle mit seinen privaten Angelegenheiten. Der erste Mensch trägt mit seinen Entscheidungen Verantwortung für seine Gemeinschaft, der zweite kastriert sich selbst, d.h. er tritt seine Autonomie an Fremde ab, die dann stellvertretend für ihn sein Leben regeln. Geht etwas schief, so muss der erste Mensch seinen Kopf hinhalten, für den zweiten Menschen ändert sich wenig, denn für ihn sind "die anderen Schuld". Der erste ist der politische Mensch, der zweite der Knecht. Die Demokratie ist das Herrschaftssystem selbstregierter Gesellschaften. Das ist der Unterschied zwischen Demokratie und Parlamentarismus. Und genau das sollen wir nicht wissen, wenn es nach den Berufspolitikern und den Journalisten geht. Der Psychoanalytiker Cornelius Castoriadis:

«Die alten [Griechen] kannten das verlogene und betrügerische Konzept der Volksvertretung nicht, wie es auch die neuzeitlichen politischen Philosophen nicht kannten, Rousseau eingeschlossen. Für die alten Griechen stellte sich diese Frage gar nicht, der Grund hierfür ist offensichtlich. Von dem Zeitpunkt an, wo jemand die Herrschaft unwiderruflich und für einen gewissen Zeitraum (z.B. für fünf Jahre) an eine bestimmte Anzahl von Menschen delegiert, hat er sich politisch selber entmündigt.»
Cornelius Castoriadis, Η αρχαία ελληνική δημοκρατία και η σημασία της για μας σήμερα. Aus dem Griechischen ins Deutsche von Stilian K. Ariston.
Quelle: Universität Leipzig